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Belgisches NiederlÀndisch
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Belgisches NiederlĂ€ndisch umfasst eine Reihe von Sprachformen in Belgien, die in der Region Flandern und der zweisprachigen Region BrĂŒssel-Hauptstadt gesprochen werden.
Dazu zĂ€hlen das belgische StandardniederlĂ€ndisch (BSN)cite-ref-1[1] und mehrere Dialekte sowie die sogenannte Zwischensprache (eine Ăbergangsform zwischen StandardniederlĂ€ndisch und den Dialekten).
Das belgische StandardniederlĂ€ndisch wird irrefĂŒhrend auch FlĂ€misch (Vlaams) genannt, entsprechend der Bezeichnung âFlamenâ (Vlamingen) fĂŒr die niederlĂ€ndischsprachigen Einwohner Belgiens. Im sprachwissenschaftlich engeren Sinn bezieht sich âFlĂ€mischâ aber nur auf die beiden Dialekte West- und OstflĂ€misch.
Contents
âą Geschichte
âą Die Sprachformen
âą Zwischensprache
âą Dialekte
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Belege
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Gliederung nach Willemyns
Der Sprachwissenschaftler Roland Willemyns von der Freien UniversitĂ€t BrĂŒssel unterscheidet beim NiederlĂ€ndischen Belgiens fĂŒnf Sprachformen, allerdings mit flieĂenden ĂbergĂ€ngen:
âą Basisdialekt: Ein âreinerâ, primĂ€rer Orts- oder Regionaldialekt ist im Norden Belgiens nicht auf lĂ€ndliche Gebiete und private Gelegenheiten beschrĂ€nkt. Die allermeisten niederlĂ€ndischsprachigen Belgier beherrschen einen Basisdialekt, ohne ihn immer zu verwenden.
âą Verkehrsdialekt: Ein Verkehrsdialekt ist eine ausgleichende Dialektform, die lautlich bewusst an die Standardsprache angepasst wird. Teilweise flieĂen Wörter der Standardsprache ein. Dialektsprecher mit nicht ausreichender Beherrschung der Standardsprache (z. B. Menschen geringer Schulbildung) benutzen diese Sprachform, um mit den Ortsdialekt nicht Verstehenden zu kommunizieren.
âą Regionale Umgangssprache: Die regionale Umgangssprache, nicht zu verwechseln mit dem Regiolekt in den Niederlanden, ist eine Mischung aus Standardsprache und Dialekt. Gesprochen wird sie bei der ĂŒberregionalen Kommunikation, der stĂ€dtischen Mittelschicht und Menschen höherer Bildung in familiĂ€ren Situationen.
âą Zwischensprache (tussentaal), âBelgisch Beschaafd (Nederlands)â: Das âBelgisch-Kultivierte (NiederlĂ€ndisch)â ist eine Sprachform, die der Standardsprache sehr nahe und im gesamten niederlĂ€ndischsprachigen Teil Belgiens gebrĂ€uchlich ist. Sie ist nicht nur von Ortsdialekten beeinflusst, denn auch auĂerhalb Brabants gibt es brabantische regionale EinflĂŒsse; somit ist Brabantisch in gewissem Umfang in dieser Sprachform tonangebend. Andere Kennzeichen sind Archaismen, Gallizismen und Sprachpurismen. Ferner sind dieser Sprachform eine buchstabengetreue Aussprache und hyperkorrekte Formen eigen. Sprecher der Standardsprache benutzen die Zwischensprache in bestimmten Situationen, etwa um nicht affektiert zu wirken.
âą Standardsprache: Die normierte Standardsprache, standaardtaal, ist, trotz einiger belgischer Besonderheiten (Belgizismen), prinzipiell die gleiche wie in den Niederlanden. Im Rundfunk und im Fernsehen ist sie die ĂŒbliche Sprachform, jedoch fast durchgehend mit einer belgisch geprĂ€gten Lautung.cite-ref-vekeman-ecke-2-0[2]
Geschichte
Nach der GrĂŒndung Belgiens (1830) wurde Französisch die einzige offizielle Sprache des neuen Staates, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung niederlĂ€ndische Dialekte sprach. Das neu erstehende BĂŒrgertum Flanderns lehnte sich spĂ€ter gegen die Dominanz der französischen Sprache auf. Seit 1878 hat NiederlĂ€ndisch offiziellen Status.
Siehe auch: FlÀmisch-wallonischer Konflikt
Die Sprachformen
Standard-NiederlÀndisch in Belgien
Amtssprache in Flandern ist NiederlĂ€ndisch. Es lassen sich jedoch Unterschiede zum Sprachgebrauch in den Niederlanden ausmachen. Dies stellt auch die NiederlĂ€ndische Sprachunion fest.cite-ref-3[3] DarĂŒber hinaus definiert sie Standardsprache in Belgien als:
het Nederlands dat algemeen bruikbaar is in het publieke domein in België, d.w.z. in alle belangrijke sectoren van het openbare leven, zoals het bestuur, de administratie, de rechtspraak, het onderwijs en de mediacite-ref-4[4]
(das NiederlĂ€ndische, das im öffentlichen Raum in Belgien allgemein verwendbar ist, das heiĂt in allen wichtigen Sektoren des öffentlichen Lebens, wie Regierung und Verwaltung, Rechtsprechung, Bildungswesen und Medien)
Im GroĂen Wörterbuch der niederlĂ€ndischen Sprache (Van Dale) werden Wörter, die in Belgien gebrĂ€uchlich sind, mit einem (Belg.) gekennzeichnet, teilweise auch mit (niet alg.), d. h. ânicht allgemeinâ.
Bis in die 1970er-Jahre konnten viele Flamen die Standardsprache schreiben und verstehen, sprachen sie selbst aber kaum. Es bestand mithin eine diglossische Situation, eine Aufgabenteilung zwischen Dialekt und Standardsprache.cite-ref-vekeman-ecke-2-1[2] Diese dauert regional, insbesondere im Gebiet des westflÀmischen Dialekts, bis heute fort.
Das belgische Standard-NiederlĂ€ndisch wird in Belgien mitunter VRT-Nederlands genannt. VRT ist der staatliche Rundfunk Flanderns. Dort achtet, wie auch bei anderen Fernsehsendern in Belgien, ein Sprachbeirat auf den korrekten Gebrauch der Standardsprache. Der Beirat der VRT, momentan Ruud Hendrickx, hat somit einen groĂen Einflusscite-ref-taalschrift-5-0[5] auf das Standard-NiederlĂ€ndisch in Belgien. Ruud Hendrickx ist seit Mai 2009 Hauptredakteur der flĂ€mischen Abteilung von Van Dale, welches das GroĂe Wörterbuch der niederlĂ€ndischen Sprache herausgibt.
Zwischensprache
Als Zwischensprache (tussentaal) wird ein Soziolekt der niederlĂ€ndischen Sprache bezeichnet, der vornehmlich durch den brabantischen Dialekt geprĂ€gt ist. Der Terminus ist umstritten, da er eine Einheit andeutet. Obgleich die Zwischensprache sich in ganz Flandern Ă€hnelt, sind Unterschiede von Stadt zu Stadt erkennbar. Wesentliche Merkmale eines Regiolekts treffen auch auf die Zwischensprache zu. Jedoch ist auch diese Einordnung umstritten. Der Begriff wurde durch Wissenschaftler der UniversitĂ€t Gent geprĂ€gt.cite-ref-6[6] Synonyme sind Verkavelingsvlaams, Schoon Vlaams und Soapvlaamscite-ref-taalschrift-5-1[5] â Letztgenanntes deshalb, weil die allen Flamen verstĂ€ndliche Zwischensprache im Zusammenhang mit dem simulierten Alltag in flĂ€mischen Fernsehserien fĂŒr belgische und vor allem fĂŒr brabantische Zuschauer weniger kĂŒnstlich als das Standard-NiederlĂ€ndische wirkt, das in Belgien de facto nicht gesprochen wird.
Auffallendes Merkmal ist der Gebrauch von gij âduâ anstelle von jij. AuĂerdem wird fĂŒr jou âdichâ und jouw âdeinâ ĂŒblicherweise die Höflichkeitsform u und uw benutzt. In der Zwischensprache ist eine eigentĂŒmliche Klitisierung weit verbreitet: Ben jij (âBist du?â) wird zu Zijdegij, und Hoe heet je? (âWie heiĂt du?â) wird zu Oe noemde gij? Die Silbe -de steht bereits fĂŒr du oder in einem allgemeineren Sinn fĂŒr man. Die Zwischensprache unterscheidet sodann das Genus bei unbestimmten Artikeln, im Gegensatz zur niederlĂ€ndischen Standardsprache. So heiĂt es beispielsweise ne man, een vrouw, e kind statt een man, een vrouw, een kind.
Die Entstehung der Zwischensprache ist zurĂŒckzufĂŒhren auf Flamen, die sich vom Dialekt distanzierten, aber Standard-NiederlĂ€ndisch nicht sprechen konnten oder wollten. Die niederlĂ€ndische Standardsprache ist den Sprechern in Flandern nicht ĂŒber Generationen anerzogen worden wie in den Niederlanden, sondern sie wurde abrupt Ende des 19. Jahrhunderts eingefĂŒhrt (als Ersatz fĂŒr das Französische) und weckte aufgrund des erheblichen Unterschieds zu den lokalen Dialekten Widerstand und Ablehnung.
Dialekte
In Belgien werden zwei flÀmische Dialekte und zwei weitere niederlÀndische Dialekte gesprochen:
⹠WestflÀmisch in der Provinz Westflandern
⹠OstflÀmisch in der Provinz Ostflandern
âą Brabantisch
âą Limburgisch
Da flĂ€misch auch das Adjektiv fĂŒr die ganze Region Flandern ist, verwenden die Belgier die Bezeichnung flĂ€misch oftmals synonym mit niederlĂ€ndischsprachig. Wenn NiederlĂ€nder einen Sprachgebrauch als flĂ€misch (oder belgisch) bezeichnen, meinen sie in der Regel ebenfalls das in Belgien gesprochene NiederlĂ€ndische insgesamt, ohne genauere Kenntnis der einzelnen Dialekte.
Brabantische Dialekte haben die niederlĂ€ndische Standardsprache seit dem 16. Jahrhundert entscheidend mitgeprĂ€gt. Die Hafenstadt Antwerpen, die UniversitĂ€tsstadt Löwen, in minderer Rolle Mechelen und frĂŒher BrĂŒssel bilden das geografische und kulturelle Zentrum der flĂ€mischen Gemeinschaft. Dies hat eine groĂe brabantische Dominanz in Fernsehen und Rundfunk zur Folge.
Dialekte spielen in Flandern eine gröĂere Rolle als in den Niederlanden. 53 % der SchĂŒler in Flandern sprechen einen Dialekt, dagegen nur 23 % in den Niederlanden.cite-ref-8[8] Allerdings gehen die Dialekte allmĂ€hlich zugunsten der Zwischensprache oder der regionalen Umgangssprache zurĂŒck, werden also uniformer. Dieser Effekt ist im Osten stĂ€rker als zum Beispiel in Westflandern.
Siehe auch
:
NiederlÀndische Dialekte
Beispiele fĂŒr Unterschiede zum NiederlĂ€ndisch der Niederlande
(siehe auch: Falscher Freund)
| Belgisches NiederlÀndisch 1 | NiederlÀndisch der Niederlande | Deutsch |
|---|---|---|
| ambetant | vervelend, lastig | lÀstig, langweilig, schwer |
| borstel | bezem | Besen |
| camion | vrachtwagen | Lastwagen |
| curieus | nieuwsgierig | neugierig |
| goesting | zin, lust | Lust |
| immobiliën | onroerende goederen, vastgoed | Immobilien |
| krieken | zure kersen | Morellen |
| piloot (Formel 1 oder Rallye) | (auto)coureur | Rennfahrer |
| plan | plattegrond, schema, kaart | Karte, Plan |
| plezant | plezierig, leuk | lustig |
| het is beginnen regenen | het is gaan regenen | es hat zu regnen begonnen/angefangen |
| aan lage prijzen | voor/tegen lage prijzen | zu niedrigen Preisen |
| seffens | straks | gleich, in KĂŒrze |
| solden | uitverkoop, opruiming, koopjes | Schlussverkauf |
| vijs | schroef | Schraube |
Viele dieser Beispiele gehören allerdings nicht zur Standardsprache im Belgisch-NiederlÀndischen.
Siehe auch
Weblinks
⹠NiederlÀndisch in Belgien Arbeitsbereich NiederlÀndische Sprachwissenschaft an der FU Berlin
⹠Sprachdatenbank der VRT (niederlÀndisch)
⹠FlÀmisches Wörterbuch (niederlÀndisch)
Belege
cite-note-11. â Agnes JĂ€ger: Vergleichskonstruktionen im Deutschen: Diachroner Wandel und synchrone Variation. (= Linguistische Arbeiten Band 569.) 2018, Seite 563 (Index mit âBelgisches (Standard-)NiederlĂ€ndisch (BSN)â) und Seite 378 (enthĂ€lt âim belgischen StandardniederlĂ€ndisch (BSN)â)
cite-note-vekeman-ecke-22. â Herman Vekeman, Andreas Ecke: Geschichte der niederlĂ€ndischen Sprache. Bern 1992, ISBN 3-906750-37-X.
cite-note-33. â Wat is standaardtaal? (algemeen). In: taaladvies.net. Abgerufen im 1. Januar 1 (niederlĂ€ndisch).
cite-note-44. â Taaladvies.net â Standaardtaal in BelgiĂ«. In: taaladvies.net. Abgerufen im 1. Januar 1 (niederlĂ€ndisch).
cite-note-taalschrift-55. â Taalschrift â Reportage â Televisienederlands en Schoon Vlaams. In: taalschrift.org. Abgerufen im 1. Januar 1 (niederlĂ€ndisch).
cite-note-66. â http://hdl.handle.net/1854/LU-610749
cite-note-71. SIL International: vls
cite-note-88. â Nederlandse Taalunie (Hrsg.): Taalpeilonderzoek 2007. Onderwijs Nederlands in Nederland, Vlaanderen en Suriname. Den Haag 2007, S. 72 (PDF; 0,7 MB).